Conny Plank Report 3/74

3/74: Conny Plank Report 3


Conny antwortet
Liebe Jungs,

ich kann verstehen, dass manche von euch irgend einen Effekt auf einer Platte hören und denken, das klingt ja so toll, das will ich auch haben, oder - der Dieter hat jetzt ein neues Gerät an der Gitarre, das klingt wie Hendrix und ähnliches. In der ersten Rock'n Roll-Zeit gab es mal die Peter Kraus-Gitarre. Klangverformungen sollten im Dienste der Musik stehen und nicht umgekehrt. D.h., ich stehe sehr drauf, wenn sich ein Musiker die Klangeffekte selber ausdenkt und baut, die er benutzen will und nicht irgendeinem gängigen Klischee nachrennt. Und denen, die das Klischee bewusst gebrauchen, brauche ich sowieso nichts zu erzählen.

Hier nun ein kurzer Überblick über gängige Studiogerätschaften, wie ich sie zum Teil auch in meinem Studio benutze:

Mischpult:
Zentrales Gerät eines Studios. Verstärkt und mischt Mikrofonsignale. Besteht aus mehreren Kanalzügen, in denen die Signale bearbeitet werden, z.B. Entzerrung, Hall, Echo etc. und Summenverstärkern, in denen die aus den Kanälen kommenden Töne zu einem wohlklingenden Gemisch zusammengefasst werden (bei Mono 1 Summe, bei Stereo 2, bei Quadro 4). Das gemischte Signal wird aus den Summenausgängen mit einer Strippe in den Eingang der Tonbandmaschine gesteckt.

Tonbandmaschine:
Man unterscheidet hier Schnürsenkelmaschine = normales Tonbandgerät 1/4 Zoll Bandbreite, Aufnahme- und Wiedergabekopf separat, Geschwindigkeit 38 cm/Sek. (dadurch geringes Rauschen). Wird im Studio zumeist 2-spurig für Stereoaufnahmen verwandt.

Mehrspurmaschine:
Hier werden breitere Tonbänder bis zu 2 Zoll benutzt, um mehrere Signale parallel aufzeichnen zu können. Üblich sind in letzter Zeit 16 Spuren, d.h. 16 übereinander liegende Tonköpfe können 16 verschiedene Signale getrennt regelbar, aber gleichzeitig aufnehmen und wiedergeben (wie wenn man 16 Tonbandgeräte gleichzeitig laufen lässt, nur besser!). Die sagenhafte MCI-Maschine ist nichts weiter als so ein Ding (in dem damaligen Fachblatt ist, glaube ich, dem Schreiber ein Irrtum unterlaufen).

Hallmaschine:
Besteht zumeist aus einer großen dünnen Stahlplatte, die an einem Punkt von dem zu verhallenden Ton mittels eines Systems in Schwingung versetzt wird. Von einem anderen Punkt der Platte wird das Signal wieder abgetastet. Dadurch, dass die Platte länger schwingt als der Ton, der sie in Bewegung setzt, entsteht der Nachhall.

Echogerät:
Funktioniert ähnlich wie ein Tonbandgerät. Tonträger ist zumeist eine Endlosschleife oder eine magnetbeschichtete Scheibe. Band oder Scheibe laufen an einem Aufnahmekopf und mehreren Wiedergabeköpfen vorbei, die in verschiedenen räumlichen Abständen montiert sind und das durch die Laufzeit verzögerte Echo bilden.

Phaseshifter:
Elektronisches Gerät. Regelt Löcher in das Frequenzspektrum (manuell oder automatisch). Kontinuierlich durch die ganze hörbare Frequenzbandbreite. Dadurch, dass durch die Regelung immer andere Frequenzen ausgelöscht werden, ergibt sich der eigenartige Schwirreffekt.

Klangfilter:
Regelt Bässe, Höhen und Präsenzen positiv oder negativ. In der Studiotechnik sind die Mittelfrequenzen (wo der Filter angreift) mehrfach abgestuft.

Das war erstmal ein kleiner Überblick. Vielleicht kann ich in einem späteren Fachblatt noch mehr darüber bringen. Und noch was: ein Hit passiert zuerst im Kopf und dann im Gerät.

Euer Conny


Connys Artikel ging folgender Leserbrief in Heft 1/74 voraus (siehe Seiten zum Durchblättern oben), der sich auf den Artikel "Quadro im Saustall" auf der Ttitelseite von Heft 10/73 bezieht:

Conny antworte!


So, wie das da steht, ist es für mich eine Anzeige, die sich meiner Meinung nach vom Informationsgehalt nicht von der echten Anzeige auf Seite 19 unterscheidet (Anm.: gemeint ist die Anzeige des Tonstudios Neubauer).

Also:

Soll doch mal der Conny Plank seine technischen Möglichkeiten ausführlich erklären. Viele Gruppen sind nämlich auf diesem Gebiet absolute Laien und schmeißen mit technischen Begriffen um sich, von denen sie immer hören, aber nicht genau wissen, was das ist. Ich schließe mich da nicht aus.

Was ist z.B. Schnürsenkel? ... 16-Spur-Technik? ... wie arbeitet man damit zweckmäßig? Was ist z.B. Hall (und wieviel verschiedene Möglichkeiten von Hall gibt es?). Was für Effekte können erzielt werden? Wie kriegt man den originalen Echoeffekt bei Rock'n Roll-Sängern hin? Was ist z.B. ein Phaser? .... wo klingt sowas dufte, wo nicht? Was ist ein Equalizer?, ein Tanoy Quadro-Monitor?, was ist die sagenhafte MCI-Maschine?

Es gibt noch viele kleine Fragen, die dem Fachmann selbstverständlich sind, und der Halblaie guckt in die Röhre. Man könnte z.B. auch Plattenbeispiele zitieren, wo ganz bestimmte Effekte drauf sind.

Also, da müsste mal was mehr Information kommen. Man könnte auch verschiedene Ton-Ings zu Wort kommen lassen: Dierks, einen Typ vom Windrosestudio, den Koppers vom Studio 70 usw.

Das, was bisher im Fachblatt in dieser Angelegenheit drinstand, hat mich überhaupt nicht befriedigt.

Anm. der Red.
Also Conny, wir warten!

Roland Schaeffer, Brainstorm,
757 Baden-Baden, Hochstraße 32


Und weil folgender Leserbrief so schön ist, soll er hier auch seinen Platz finden:

Frauen an die Front!


Spätestens seit "Fanny" muss einem aufgefallen sein, dass sich in der deutschen bzw. internationalen Musikscene Frauen bisher leider bloß als Folk-, Schlager- oder Sonstwassängerinnen durchsetzen, obwohl es keine Frage ist, dass Mädchen genauso musikalisch wie Jungs sind. Es gibt bestimmt Frauen, die schon Ambitionen hätten, selbst eine Gruppe aufzubauen oder in einer mitzuspielen. Doch das scheitert wohl meistens am mangelnden Selbstvertrauen. Wenn man von Mädchengruppe spricht, denkt man hier scheinbar immer noch an barbusig auftretende Las-Vegas-Miezen. Dieses Vorurteil scheint vielen Leuten noch sehr zu gefallen. Musik machen ist halt Männersache, Mädchen sind nur als Groupies zu gebrauchen. Findet Ihr nicht auch, dass es an der Zeit ist, damit Schluss zu machen?
Da diese Zeitschrift leider wahrscheinlich auch nur Typen lesen, fordere ich Euch auf, Euren Frauen, die Bock aufs Musikmachen haben, Mut zu machen bez. GRUSUMU-Aktionen nicht nur aufs männliche Geschlecht zu beschränken, sondern es vielleicht mit einer Pianistin, Gitarristin, Kongaistin etc. zu versuchen, auch wenn's anfangs schwierig sein sollte.
In der Hoffnung, dass die "Idee" nicht wieder von geldgierigen Produzenten ausgenutzt, sondern die deutsche Musikscene belebt, grüßt Euch

Lutz Ulbrich
AGITATION FREE
1 Berlin 19
Eichkampstr. 92

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