Polizeiterror

12/74: Polizeiterror gegen Musikgruppen


Überschrift

Ohne Hausdurchsuchungsbefehl, dafür mit entsicherten Maschinenpistolen und in Truppenstärke bis zu 30 Mann, so dringen die lederbejackten Polit-Rocker der Polizei in letzter Zeit immer häufiger auch bei Musiker-Kommunen ein, um zu durchwühlen.
Wenn man schon nicht mehr weiß, wo man suchen soll, na dann doch auf alle Fälle bei den "langhaarigen Untergründlern".

So am 26.11. beim Release Music Orchestra (RMO) in Otterndorf, am 24. bei Guru Guru, wo man auch Hilde, die Frau des Bassisten Hans Hartmann, festnahm.
Gleich dreimal musste die Gruppe Message dran glauben: am 14., 15. und 17.11., wobei die ganze Anlage aus dem Wagen ausgeladen, sowie die Boxen aufgeschraubt wurden. Gitarrist Alan Murdock wurde festgenommen, nach ein paar Stunden mangels Grund laufengelassen, der Roadie Werner wegen unerlaubten Entfernens vom Ersatzdienst verhaftet, wegen Zeitverlust platzte der Gruppe ein Interview in der belgischen Sendung "King Kong".

Am schlimmsten benahmen sich die Polizisten am 26.10. bei Haussuchungen im Haus der Volksrockband Panther, sowie befreundeten Wohngemeinschaften in deren Nähe: man drang in insgesamt 12 Wohnungen ein und nahm vorübergehend 13 Personen fest. Türen wurden eingetreten, Fenster eingeschlagen, selbst, wo der Haustürschlüssel von außen steckte.

Freund Dieter wurde mit "einem Tritt in die Fresse" geweckt. Als er hochschreckte, hatte er zwei entsicherte Pistolenläufe im Bauch. Dem Panther-Band-Hund wurde mit Erschießen gedroht, die im Haus anwesende Frau R. geschlagen und gegen die Wand gestoßen, so dass sie mit einer Gehirnerschütterung liegenblieb: sie holte ihren Ausweis nicht schnell genug hervor.

Nach dem Verteilen von Protestflugblättern nach einem Konzert der Panther beschönigte eine Springer-Zeitung die SA-Methoden: keinerlei Gewaltanwendung der Polizei, nur bei Gegenwehr. Es habe sich im übrigen lediglich um eine Überprüfung der Kommunen und Wohngemeinschaften in und um Ahrensburg gehandelt ...

"Wenn die Jagd auf die Künstler beginnt, ist die Schwelle zum Faschismus erreicht."

Ja, Freunde, und genausoweit sind wir schon wieder. Denn wohlgemerkt, dieser Artikel hat nichts mit dem im FB üblichen Gejammer "über besonders schreckliches Schicksal der armen Musiker" zu tun.
Dies ist ein gesamt-gesellschaftliches Problem; andere Berufsgruppen (z.b. Ärzte, Schriftsteller, Anwälte) haben sogar oft schon längere Erfahrung mit staatlicher Willkür.
Die Herrschenden unseres Systems und ihre Menschenjäger, wie voll müssen sie die Hosen haben, dass sie alle demokratischen Mäntelchen und Masken so früh schon fallen lassen?

Ja, lieber Fachblatt-Leser, dies geht gegen uns alle, die wir von einem besseren, freieren, sozialistischen oder wenigstens liberalisierten Leben träumen. Und verdammt noch mal, wir sind viel mehr, als die paar fädenziehenden Abse, Mayhofers und Springers. Darum lasst uns bloß zusammenhalten gegen den Terror der Polizei!

Folgende Tips:
1) tragt unterwegs immer Eure Ausweispapiere bei Euch;
2) tragt stets die Telefonnummer eines Anwalts Eures Vertrauens bei Euch;
3) lasst Euch bei Haussuchungen immer Ausweis bzw. Haussuchungsbefehle zeigen;
4) macht ruhig mal Solidaritätskonzerte für vom Polizeiterror betroffene (3 1/2 Jahre U-Haft in Isolierzellen sind auch nichts feines);
5) und glaubt nicht alles, was in bürgerlichen Zeitungen über soeben verhaftete "Anarchisten" steht: vielzuoft erwischt es harmlose Zeitgenossen, weil die Polizei eben Erfolgserlebnisse braucht.

Klaus Schulz, c/o Panther Musik, 207 Ahrensburg, Vogelsang 52 b, Tel. 04102/56...


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