UZ-Fest 11/74

11/74: Polit-Rock beim UZ-Fest


UZ-Fest Bild 1

Die UZ, Zeitung der DKP (Deutsche Kommunistische Partei), hatte zum Volksfest auf den Düsseldorfer Rheinwiesen geladen. Bescheiden rechnete man mit 100.000 Besuchern, mehr als 250.000 kamen.

Es war ein echtes Volksfest: für jeden wurde etwas geboten. Am Ende des Festgeländes, direkt unter der Oberkasseler Brücke (wo es schön zugig war) trafen sich elf Polit-Rock-Gruppen, um ihr Können zu zeigen.
Vom Altmeister Floh de Cologne über Lokomotive Kreuzberg und Franz K. kamen auch Newcomer zu Ton, nämlich Gruppen wie Was tun? oder Morgenrot, deren Namen man bis zum 21/22.9.1974 nicht einmal kannte.
Der Veranstalter schätzt die Besucherzahl zum Rock-Rummel am Rhein auf 15.000, eine Zahl, die sicherlich realistisch ist, wenn man bedenkt, dass eben Laufpublikum da war (also Leute, die für eine oder zwei Stunden kamen und dann wieder gingen).
Interessant war das Spectrum dessen, was geboten wurde. Da wurde nicht eintönige Holzhammer-Rockmusik gebracht, da rockte es, folkrockte und jazz-rockte (oder wie man's auch nennen will), und jede der Gruppen bemühte sich um einen eigenen Stil, der nicht Abklatsch von englischen oder amerikanischen Gruppen ist. Man sollte drei Dinge im Auge behalten, die am Rockfestival der UZ angenehm auffielen.

1. Der Veranstalter erhob keinen Eintritt (wie übrigens bei allen Veranstaltungen zum Volksfest). Dadurch konnten auch diejenigen kommen, denen das Bezahlen einer Dauerkarte für Rockfestivals, auf denen ohnehin meist nur ein Teil der angekündigten Gruppen spielt, schwerfällt. Welcher Lehrling oder Schüler kann schon ohne weiteres 30,-DM oder mehr abdrücken?

2. Es tut sich was auf der Polit-Rock-Scene. Schon wieder eine Scene? Nein, das ist Deutschrock, deutsche Rockmusik zu deutschen Texten und zu den Problemen unseres Landes. Eine gute Sache, die (sogar recht zahlreich) ihr Publikum findet, weil es auf die Interessen und Probleme eben dieses Publikums eingeht. Und sich hören lassen kann also die Rock-Scene?

3. Der Veranstalter hat im Vergleich zu anderen Festivals gehalten, was versprochen war: Jede der angekündigten Gruppen war da und konnte eine Stunde spielen und es hat sauber geklappt. Maximal eine Stunde Verzögerung und geringe Programmumstellungen trübten kaum die Erwartungen des Publikums.

Schade nur, dass das Wetter nicht immer mitspielte: abends war es so kalt, dass die Lokomotive Kreuzberg zum Beispiel ihr neues "Rock'n Roll Theater" abbrachen.
Im nächsten Jahr wird es wieder ein UZ-Volksfest geben. Hoffentlich auch ein Rockfestival, denn das war rundum eine runde Sache.

UZ-Fest Bild 2

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