Conny Plank Report 7/72

7/72: Conny Plank Report - Balance!


Conny Plank
Vor kurzem war ich in einem Laden, in dem eine Band vor rund 250 Leuten spielte (überwiegend das sogenannte progressive Publikum). Die Gruppe war eine Jugband aus den Staaten, besetzt mit zwei akustischen Gitarren, Geige, Banjo und Waschschüsselbass, dazu sangen alle. Das übrige Equipment bestand aus einem Mikro, einem miesen Verstärker von etwa 50 Watt und zwei mickerigen Lautsprecherboxen. Die Gruppe kam voll an und wurde gefeiert. Ein anderes Beispiel: Man sieht immer große Stars (Clapton, Winter, Santana etc.), die mit einem AC30 oder Twinreverb von Fender (Achtung: Schleichwerbung!) auf die Bühne gehen (für Bass gibt es ähnliche Möglichkeiten).

Ich will Euch also etwas über die Lautstärke erzählen, obwohl ich auf gut gemachte Heavy-Sounds sehr stehe und die Abhängigkeit von Lautstärkeeinstellung auf den Klang eines Marshalls oder Hiwatt genau kenne. Ihr kennt alle die Balanceschwierigkeiten, die englische und deutsche Gruppen zwischen Schlagzeug und Verstärkern in den letzten drei Jahren hatten. Sie arteten schließlich in eine Materialschlacht sondersgleichen aus, die soviel Geld gekostet hat, dass man damit die Wahl hätte gewinnen können. Die Gehörgeschädigten und die Gruppen, die einen persönlichen Gerichtsvollzieher haben, wissen, wovon ich rede. Und Marshall reibt sich noch heute die Hände.

Ich wundere mich immer wieder über Musiker, die nur daran interessiert sind, sich selber möglichst gut und laut über die Rampe zu bringen und erst in zweiter Linie auf eine gute Soundmaschine aller beteiligten achten. Erst wenn jeder jeden gut hört, ist ein sensibles und scharfes Zusammenspiel möglich (und törnt letztenendes mehr an als Krach).

Die Bedingungen dafür sind, dass alle Verstärker im richtigen Verhältnis zum lautesten Naturinstrument (Schlagzeug, Trompete etc.) stehen. Daraus ergeben sich auch bei der Auswahl des Equipments billigere Bedingungen, auch kleinere Verstärker können in der Klangqualität großen Brummern angeglichen werden (sind oft sogar besser, Heavy-Freunde!). In kleineren Läden bis 500/600 Leute habt Ihr dann keinen großen Materialaufwand und lediglich eine kleine PA für Gesang und leisere Naturinstrumente. Bei größeren Gigs leiht Ihr Euch dann solange eine größere PA, über die Ihr alle Instrumente im Verhältnis hochfahrt, bis Ihr so berühmt seid, dass Ihr Euch eine Super-PA leisten könnt. Die PA würde ich im Bausteinverfahren zusammenstellen und die Wattzahl je nach Gig und Geldbeutel bestimmen.

Die Sachen brauchen nicht bei teuren Engländern gekauft zu werden. Das Fachblatt allein gibt schon ausreichend Auskunft über die Möglichkeiten.

Ich hoffe, dass nach diesem Verfahren eine Balance nicht nur in Eure Musik, sondern auch in Eure Wirtschaftsverhältnisse kommt - baut den Fortschritt auf Balance! Und noch eins - je leiser Ihr seid, desto lauter könnt Ihr sein!

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