Interview Mythos 1/72

1/72: Interview mit der Rockband MYTHOS


Groupie-Report Mythos

"Für viele Mädchen sind wir reine Sex-Symbole." Auch in Deutschland gibt es nun Groupies. Die Berliner Rockband MYTHOS berichtet über ihre Erfahrungen mit den "Non-Profit-Nutten."

Die Aufgabe der Groupies ist, Popmusikern zwischen und nach den Konzerten kleine Liebesdienste zu erweisen. Die Groupies kommen aus Amerika und sind mit dem Starsystem der Rockmusik verbunden. Für sie gilt das Leistungsprinzip, mit den größten Stars schlafen zu müssen. Ein Star-Groupie hat mit Steve Marriott oder Jack Bruce geschlafen. Ein Superstar-Groupie lag im Bett von John Lennon oder Mick Jagger.

Nachdem es in Deutschland eine umsatzstarke und populäre eigene deutsche Popmusik gibt, haben auch die deutschen Popmusiker die Auswahl aus dem Groupie-Angebot. Vor allem Starbands wie "Birth Control" sind begehrt oder Gruppen wie die Berliner MYTHOS, die mit englischen Spitzengruppen wie Humble Pie, Colosseum und Family gespielt und zunächst so einige Groupies abbekommen haben. MYTHOS erzählt im folgenden Interview über das deutsche Groupie, das noch unbekannte Wesen.

Frage: Gibt es schon deutsche Groupies?

MYTHOS: Selbstverständlich gibt es bereits eine deutsche Groupie-Scene. Sie unterscheidet sich noch von der angloamerikanischen Scene, weil bei uns das hierarchische Denken noch nicht so ausgeprägt ist. Jetzt schläft noch ein Mädchen meistens mit einem Musiker, weil es ihn nett findet und nicht, weil es Groupie-Pflicht ist.

Frage: Warum gibt es Groupies?

MYTHOS: Das ist schwierig zu beantworten, obwohl wir darüber auch schon mit den Mädchen selbst gesprochen haben. Die Hauptursache dürfte der Wunsch sein, mit sexuellen Erfolgen bei Popmusikern anzugeben. Für viele Mädchen sind wir nicht Musiker, sondern reine Sex-Symbole, die die absolute Potenz verkörpern und ein hervorragendes Renommier-Objekt im Kreis der Freundinnen sind.

Frage: Wie kommen die Groupies an euch ran?

MYTHOS: Die meisten kommen an unseren Band-Bus und fragen nach Postern und Autogrammen. Daraus entwickelt sich in der Regel ein langes Gespräch, in dem sie sich uns anbieten, ohne jedoch ganz direkt zu werden. Sie deuten diese Möglichkeit an, warten aber meistens darauf, dass der Musiker dann die lnitiative übernimmt.

Frage: Sind Groupies leichte Mädchen, sowas wie die Non-Profit-Nutten der Popmusik?

MYTHOS: Nein, absolut nicht. Die Mädchen sind durch Erziehung und Umwelt dahin gekommen, die Sexualität als ein Mittel anzusehen, mit dessen Hilfe man geachtet und bewundert wird. Außerdem sind wir gewiss keine Moralhüter. Denn unserer Meinung nach ist es für den Beischlaf nicht entscheidend, wie lange man sich kennt, sondern wie intensiv die Begegnung ist. Und die kann gerade dann besonders groß sein, wenn man sich fünf Stunden erst kennt. Wir haben zudem mittlerweile in den Orten, in denen wir häufiger spielen, unsere "Stamm-Groupies", die immer da sind, wenn wir auftreten. Sie sind weniger Groupies als vielmehr Freundinnen. Schließlich: Ein Auftritt ist sehr anstrengend, so dass wir hinterher oft zu kaputt und zu fertig sind. Ein Bergarbeiter fällt ja auch nicht gleich über seine Frau her, wenn er aus der Grube kommt.

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